Kalk im Wasser - das überschätzte Problem?

Schalten wir den Fernseher ein oder schlagen eine  Zeitung auf, sehen wir häufig viel Werbung für  weicheres Wasser. Den Konsumenten wird  veranschaulicht wie herrlich „weiches“ Wasser ist. Es  wird vermittelt, dass es hier nicht nur um den Schutz  unserer Haushaltsgeräte, sondern um unseren  Organismus geht - Gesundheit, Seele und Geist.  Dies  schlägt sich auch in den Ergebnissen des AQA  Wasserreports - die größte repräsentative Studie  rund  um das Thema Trinkwasser in Österreich im  Auftrag  der ÖVGW und der AQA GmbH,  durchgeführt vom Institut Hoffmann & Forcher         Marketing Research, nieder: Denn diejenigen, die mit ihrer Wasserqualität nicht zufrieden sind, nennen zu hartes Wasser/Wasserhärte als Hauptgrund.

Was hinter der Wasserhärte steckt

Gesamthärte oder auch oft nur „Wasserhärte“ genannt, setzt sich aus den Bestandteilen Calcium und Magnesium zusammen und wird in Grad deutscher Härte angegeben. Diese mineralischen Inhaltsstoffe haben eine wesentliche Funktion bei der Entwicklung, dem Erwachsen werden, der Heilung und dem Funktionieren unseres Organismus. Ein gesunder Körper regelt das Gleichgewicht auf natürlichem Weg.

Calcium
Vorkommen: Geologisch gesehen stammt Calcium aus unseren Gesteinen und ist dort in reichlichen Mengen vorhanden. Durch das Wasser wird es ausgelöst und gelangt so in unser Grundwasser. Und Österreich hat viele kalk- und damit Calcium-haltige Gesteinsformationen.
Funktion im Körper: Calcium ist der wichtigste Mineralstoff in der Knochensubstanz und im Zahnschmelz. Weiters spielt es eine wichtige Rolle bei der Blutgerinnung, bei der Übertragung von Nervenimpulsen, bei der Herzfunktion, der Muskelkontraktion und bei der Ausschüttung einiger Hormone und Enzyme.
Magnesium
Vorkommen: Magnesium wird ähnlich wie Calcium überwiegend aus Dolomit gelöst. Magnesium ist wie Calcium ein Härtebildner und wird wie Calcium zur Berechnung der Gesamthärte herangezogen.
Funktion im Körper: Magnesium hat im Organismus eine wichtige Funktion und ist an zahlreichen Stoffwechselvorgängen beteiligt, insbesondere am Eiweiß- und Kohlenhydratstoffwechsel sowie an Enzymaktivitäten des Energiestoffwechsels. Es spielt eine wichtige Rolle bei der neuromuskulären Reizübertragung, der Muskelkontraktion, des vegetativen Nervensystems, des Herzens sowie des Knochenaufbaus und –wachstums.

 

Aufnahmekapazität im Organismus

Wasser ist unser wichtigstes Lebensmittel und äußerst reaktionsfreudig. So nimmt es aus der Umwelt, die es durchströmt – wie z.B.: Gesteinsformationen- Inhaltsstoffe auf. Die aufgenommenen Mineralstoffe und Spurenelemente stehen in einem Lösungsgleichgewicht (siehe Ionenbilanz). Ist dies nicht gegeben, nimmt Wasser Inhaltsstoffe auf oder gibt welche ab.

Unser Organismus hat sich an diese Mischungsverhältnisse über viele Generationen gewöhnt und nimmt deswegen die so wichtigen Inhaltsstoffe aus dem Wasser besonders gut auf. Ähnlich verhält es sich auch bei Nahrungsmitteln, wie Obst, Gemüse aber auch Fisch und Fleisch. Unser Körper kann aber nur Inhaltstoffe aufnehmen, wenn das Mischungsverhältnis passt.

Da künstliche Präparate in Tablettenform oder Pulver dieses natürliche Mischungsverhältnis nicht in der Qualität abbilden können, sind diese im Extremfall wirkungslos. Die eingenommen Präparate passieren unseren Körper "ohne, dass sich dieser die Inhaltstoffe aus dem Präparat herausnimmt."

Das wirft natürlich die Frage auf, warum dann überhaupt etwas gegen die Wasserhärte unternommen werden soll und warum ihr Ruf so schlecht ist!

 

Paradaxon der Wasserhärte

Versucht man sich wissenschaftlich dieser Frage zu nähern und warum es heute so modern ist etwas gegen die Härte zu unternehmen, stößt man auf einen Widerspruch: Wir versuchen Calcium und Magnesium aus dem Wasser zu entfernen, obwohl diese Inhaltsstoffe so immens wichtig sind für unsere Entwicklung und ein Leben mit intakter Gesundheit.

Den Grund dafür kennen wir alle: Unsere wasserdurchströmten Haushaltsgeräte – Waschmaschinen, Leitungen, Armaturen, etc. - Geräte leiden unter zu hoher Wasserhärte und das ist salopp gesprochen lästig und eventuell auch teuer.

Um einen optimalen Bereich der Wasserhärte zu ermitteln, sollte man einen Blick auf die übliche Einteilung der Härtebereiche bei Trinkwasser werfen.

Härtebereich 1: bis 7,3° dH (weich)
Härtebereich 2: 7,3° - 14,0° dH (mittelhart)
Härtebereich 3: 14,0° - 21,3° dH (hart)
Härtebereich 4: über 21,3° dH (sehr hart)

Da die Wasserversorgung regional erfolgt, gibt es solche mit recht stabilen Härtebereich (geringe Schwankungen) über das Jahr gesehen - in anderen Regionen, wo die Abdeckung des Trinkwasserbedarfs aus unterschiedlichen Grundwasserkörpern erfolgt, kann diese aber stark schwanken.

„Meine ganz persönliche Erfahrung, als jemand, der seit Jahrzehnten mit Trinkwasserqualität, den Herausforderungen, um dies zu erhalten, zu tun hat, ist, dass nur absolut notwendige Eingriffe in das Trinkwasserversorgungssystem Sinn machen. Bis zu 18° dH Härtegraden benötigt man nur selten einen Wasserenthärter“ meint DI Stephan Bruck- Wasserexperte und Geschäftsführer von AQA.

 

Gefahrenquellen bei der Wasserenthärtung

Ein häufig angewandtes Verfahren zur Enthärtung ist das mit Ionentauschern. Calcium wird hierbei meistens mit Natrium ersetzt. Damit sinkt zwar die Härte, kann aber einen zu hohen Natriumanteil im Trinkwasser zur Folge haben. Natrium ist zwar auch ein wichtiger Inhaltsstoff, kann aber bei Herz- Kreislaufpatienten zu Problemen führen.

Quelle: www.aktivebuergerbornheim.de Sehr oft werden Wasserenthärtungsanlagen  eingebaut, aber  falsch eingestellt oder nicht  (ausreichend) gewartet. Das hat  zur Folge, dass  das  Wasser sehr oft zu weich wird und relativ  hohe  Betriebskosten anfallen können.                                                                                                                    (Kalkablagerungen in Leitung;  Bildquelle: www.aktivebuergerbornheim.de)

Sie entscheiden sich für einen Hersteller, der kommt zu einer vor Ortbesichtigung und „misst“ die Gesamthärte und Karbonathärte. Wenn es sich um einen seriösen Anbieter handelt, hat er entsprechende mobile Messgeräte mit oder schickt eine stabilisierte Probe zur Feststellung der Gesamthärte an ein unabhängiges  Labor - nur so kann man die Wasserhärte genau bestimmen. Die veröffentlichten Werte vom Wasserversorger reichen maximal zur Orientierung; hier empfiehlt es sich, die Ergebnisse über mehrere Jahre anzufordern. Es gibt auch einige, die die vor-Ort-Überprüfung mit Streifchentests durchführen. Die richtige Ermittlung birgt vor allem bei Schnelltest bzw. Streifchentests eine Menge Fehlerquellen. Da diese aber immer Werte in einer gewissen Schwankungsbreite abbilden – Ergebnis ins auf +/- einigen Härtegraden ausgewiesen, sind diese Ergebnisse für die Ersteinstellung unbrauchbar.Sie wohnen beispielsweise in einem Gebiet, wo eine Wasserhärte von 21°dH auf der Homepage Ihres Wasserversorgers veröffentlicht ist. Da sie Schlieren auf ihrem Geschirr haben und bei der Körperpflege Unannehmlichkeiten auftreten können und Sie befürchten, dass die Lebensdauer Ihrer Geräte durch die Härte beeinträchtigt sein könnte, planen Sie eine Wasserenthärtungsanlage einzubauen.Die Funktionsweise von Wasserenthärtungsanlagen möchte ich an einem Beispiel erklären:

 

Ihr Hersteller misst richtig und rät Ihnen nun (wenn er seriös ist) die Anlage auf nicht weniger als 8,4° dH einzustellen. Das macht er so, dass er die Anlage so einstellt, dass er von 21°dH 12,6°dH über die Wasserenthärtungsanlage abzieht. Es soll auch solche Anbieter geben, die 6°dH empfehlen.

 

Wenn ihr Wasser immer die gleiche Wasserhärte hat, kann es so eventuell funktionieren.

Da aber Schwankungen üblich sind, treten immer wieder Fälle auf, wo wesentlich geringere Wasserhärten erzielt werden. Die Folge sind hohe Betriebskosten (hoher Verbrauch im Betrieb des Ionentauschers), eventuell auftretende korrosive Wässer (unter 8,4 °dH), die die Lebensdauer von Haushaltsgeräten und Leitungen massiv einschränken und abgesehen vom schlechten Geschmack auch gesundheitlich bedenklich sein können.

Was is also zu tun

Überlegen Sie, ob Sie wirklich eine Wasserenthärtungsanlage oder auch andere Einbauten wie z.B.: Umkehrosmosegeräte benötigen. Wenn sie diese Frage mit ja beantworten, dann kontrollieren Sie bitte, ob ihr Hersteller, die nötigen Messungen in der entsprechenden Qualität durchführt, bevor er die Installation und Ersteinstellung durchführt. Die Wasserhärte soll er ruhig auf 10-12°dH einstellen. Das spart Kosten und verhindert (hoffentlich), dass Wasserhärten unter 8,4°dH auftreten. Und last but not least überprüfen sie die Wasserqualität turnusmäßig (chemisch-physikalisch und bakteriologisch).

Wie auch immer Sie sich entscheiden, wie Sie mit Ihrer Wasserhärte umgehen wollen: Lassen Sie sich nicht verunsichern, fragen Sie lieber nach. Versuchen Sie die, für Sie richtige Wahl und damit den richtigen Umgang mit unserer wertvollsten Naturressource zu treffen.

ENDE   


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